HEINRICH DEGELO

„Soziale Verantwortung in der Architektur

Transformation stand im Fokus, diesmal unter besonderer Berücksichtigung der soziokulturellen Aspekte, die in der Arbeit des Büros Heinrich Degelo Architekten eine besondere Rolle spielen. Wer bislang nur die großen Projekte wie das Kunstmuseum Liechtenstein (Morger & Degelo), die Universitätsbibliothek in Freiburg, das Kongresszentrum in Davos mit Joseph Schwarz, oder – gerade fertig gestellt – das Kongresszentrum in Heidelberg kannte, war vermutlich von der ganz anderen, einfachen Architektur der vorgestellten Wohnbauprojekte überrascht.

„Was braucht der Mensch?“ Diese Frage beantwortete Heinrich Degelo mit mehreren Stichworten: EINFACHHEIT – also möglichst reduzierte Orte, die ein Höchstmaß an Individualität ermöglichen, wie die Künstlerateliers Erlenmatt Ost. Dort wurden Leerräume geschaffen, in denen selbst die Sanitärobjekte frei platzierbar sind. EINKOMMEN – also möglichst kostengünstige Finanzierungsmodelle, auch wenn das bedeutet, dass der Architekt selbst die Gründung einer Genossenschaft „Homebase“ initiieren und mitfinanzieren muss. GUTES KLIMA – also das Prinzip des CO2-freien Gebäudes, für Degelo auch ein Holzbau in Zermatt mit 70 Zentimetern Strohballendämmung oder die Wiederentdeckung traditioneller Lehmbauweisen für eine Stiftung in Kamerun, ökologische Bauten, die westliche Architektur und Technik ausdrücklich nicht kopieren. „Architekten können zu nichts zwingen“, so Heinrich Degelo.

In der anschließenden Diskussion mit Prof. Ute Meyer, Architektin und Urbanistin aus Biberach, und Prof. Martin Haag, Baubürgermeister in Freiburg, stellte Moderator Wolfgang Riehle die Frage, wie soziale Kompetenz in der Architektur überhaupt entwickelt werden kann. Dabei waren sich die Beteiligten einig, dass hierzu der Kontakt zu den Menschen ganz entscheidend ist: also Kommunikation, die nicht in Büros oder Hörsälen gelernt werden kann. Und bei der eigentlichen Arbeit sei Interdisziplinarität essenziell, also auch beim Planen und Bauen ein Höchstmaß an Austausch. Der Architektur kann gelingen, den Menschen und seine Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen – dies war die optimistische Erkenntnis des Abends.

Schlossgespräche 24,
Stephan Weber