INNAUER MATT Architekten

Was ist gute Architektur?

Einfaches und regional verortetes Bauen hat als Antwort auf diese Frage in den vergangenen Jahren immer mehr Zuspruch erfahren und zeigt sich auch an Architektenbiografien.

Die Architekten Markus Innauer und Sven Matt, beide 1980 im Bregenzerwald geboren, orientierten sich zunächst durchaus international: Matt diplomierte in der Meisterklasse von Zaha Hadid, Innauer absolvierte einen Studienaufenthalt an der UCLA. Um dann für die Gründung ihres Büros wieder zurück in den ländlich geprägten Bregenzer Wald zu kommen.

Aus der Idee mit einer einfachen, regional geprägten Architektur entwickelten sie Prinzipien, die auch auf größere Bauaufgaben übertragen werden konnten. Diese Architekturqualität zeigten die beiden beispielhaft bei den 27. Heidelberger Schlossgesprächen.

Zur Einführung zitierte Moderator Wolfgang Riehle aus dem Internetauftritt des Büros: „Zentrales Motiv ist aber immer die Suche nach einer Baukunst, die durch eine unaufgeregte Alltäglichkeit vertraute Orte mit Bestand schafft“. Das gemeinsame Verständnis ist: „Evolution statt Revolution“, – eine Brücke zwischen Alt und neu schlagen. Das gelingt durch Kollaboration und Kommunikation, also durch eine gemeinsame Arbeit am Bau mit allen Beteiligten. Ein wesentlicher Faktor, wohl auch typisch für die Vorarlberger Architektur, ist dabei der direkte Austausch mit den Handwerkern, deren Verständnis manchmal mehr zählt als die Norm. Dabei ist im Bregenzerwald das Bauen mit Holz kein architektonisches Dogma.  Im Vordergrund steht die Sinnlichkeit der Architektur, egal mit welchem Material.

Wie dies baulich umgesetzt wird, zeigten Innauer Matt mit mehreren, teilweise höchst unterschiedlichen Projekten: Die schlichte, kleine Bergkapelle Wirmboden, der abstrakte Baukörper der Seilbahnstation der Patscherkofel Bahn, bei dem die Regelung der Besucherströme im Vordergrund steht und der „Kunstraum Kassel“, ein flexibler Ausstellungsraum für Studierende, respektvoll in den denkmalgeschützten Bestand eingegliedert, mit Low-Tech-Architektur, einem flexiblen Ausstellungsraum und der auffälligen Belichtung durch zahllose Glaslinsen.

Als eigenes Büro haben Innauer Matt ein ehemaliges Fotoatelier, erbaut von Leopold Kauffmann, einem der Urväter der Vorarlberger Architektur, mit wenigen, geschickten Eingriffen in seiner ursprünglicher Form ebenso reaktiviert wie zukunftstauglich gestaltet.

Ein langer Applaus am Ende des Vortrages zeigte die Anerkennung des Heidelberger Publikums für den Innauer Matt´schen Weg, Tradition in zeitgenössische Architektur zu übersetzen. Wobei Respekt vor Umwelt und baulichem Erbe und ein kollektives Arbeiten an der besten Lösung ganz generell als Weg zu guter und nachhaltiger Architektur gezeigt wurde.